BERTOLD HUMMEL - Texte zu den Werken: opus 22


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Quintett für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott, op. 22 (1961/62)


I. Rubato

II. Lamentation

III. Burleske Anfang

 

Uraufführung: 7. Februar 1962, Freiburg, Theatersaal der Alten Universität
Gesa Maatz / Günter Theis / Wolfgang Sang / Johannes Wehmann / Matthias Scholz

Aufführungsdauer: 12 Minuten

Verlag: N. Simrock Hamburg-London (Boosey & Hawkes)
Taschenpartitur: ISMN M-2211-1289-7
Stimmen: ISMN M-2211-1225-5

I. II. III.

 

Das Bläserquintett op. 22 eröffnet die Dreisätzigkeit mit einem Rubato, wobei die Unvorhersehbarkeit freizügiger Gestaltung hauptsächlich im fortwährenden Taktwechsel ablesbar wird. Aus den dichten Tuttiblöcken befreien sich hin und wieder einzelne der fünf Bläser zu rhapsodischen Sololinien von einschmeichelnder Melodik. Diese Art von dialektischer Spannung zwischen dem Kollektiv und dem Einzelnen setzt sich fort im zweiten Satz, einer Lamentation von eindringlicher Wirkung, die mit einer offenen Geste schließt und einer Burleske Platz macht, wo die kichernden, skurrilen Valeurs der Bläser zum Zuge kommen.

Klaus Hinrich Stahmer (in "Kammermusik als persönliches Bekenntnis" Tutzing 1998)

 

Presse

Badische Zeitung 1962

Hummel hat - wieder oder noch - den Mut zur persönlichen Aussage, und er hat recht damit, in einer Zeit, da die Musik "ihr Gesicht" zu verlieren schon begonnen hat. Mit noblem Klangsinn, ja, mit Empfindung musizieren seine Bläser in dem Quintett, das den klassischen Bau nicht verleugnet, bis auf die abschließende "Burleske", die sich zwölftönig gibt, aber wenn das Ohr sich nicht irrte, aufs Ganze des Werkes gehört, vielleicht auch parodistisch gemeint sein könnte - auch das wäre ein Gewinn!

 

Westfalenpost (Hagen) 11.9.1962

In seinem Bläserquintett neigt Hummel zur Groteskzeichnung, die sich aber doch anmutig, ehrlich und geisteshell ausnimmt. Sie amüsiert und wirkt sympathisch zugleich.


Querverweis:

Bei der Konzeption des Bläserquintetts op. 22 komponierte Bertold Hummel einen weiteren Satz, den er aus formalen Gründen nicht in das Gesamtwerk integrieren wollte. Kurz vor seinem Tod schrieb er die vorhandenen Stimmen mit leichten Veränderungen in eine neue Partitur und nannte das Stück Intermezzo.