BERTOLD HUMMEL - Texte zu den Werken: opus 35a


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Sonatine I für Violine und Klavier op. 35a (1969)


I. Maestoso

II. Elegie

III. Finale vivace

 

Widmung: Meinen Sohn Florian!

Uraufführung: Würzburg
Monika Fritsch / Susanne Fritsch

Aufführungsdauer: 6 Minuten

Autograph:
Titel: Sonatine für Violine u. Klavier
Umfang: unvollständig
Datierung: -


Verlag: N. Simrock Hamburg-London (Boosey & Hawkes) ISMN M-2211-0185-3

Conventus Musicus CM 102

stringendo music

Literaturliste des Deutschen Musikrates für den Wettbewerb "Jugend musiziert":
Schwierigkeitsgrad 2/leicht - mittelschwierig (Unterstufe III)

 

Die Sonatine habe ich für einen meiner Söhne geschrieben, quasi als Übeanreiz. Der 1. Satz folgt dem Sonatenschema mit zwei Themen - Durchführung und Reprise (alles natürlich auf knappstem Raum). Im 2. Satz erhebt sich über einem Seufzermotiv der Klavierbegleitung arienhaft die mit Dämpfer gespielte Solostimme. Im 3. Satz - einem Rondo mit 2. Marschtema stehen rhythmische Elemente im Vordergurund.

Bertold Hummel (1977)

 

Die Sonatine für Violine und Klavier op. 35a entstand 1969 und gehört neben dem Konzert für Schlagzeug op. 70 zu den bekanntesten Werken Bertold Hummels. Die Noten wurden tausendfach in alle Welt verkauft. Durch ihre warme Melodik und zündende Rhythmik spricht sie die "jungen Spieler" auf besondere Weise an.
Sie beginnt mit einem kraftvollen Maestoso-Satz. Die Klangfülle des ersten Themas wird von einem lyrischen Seitenthema reizvoll kontrastiert. Die Reprise endet mit einem impulsiven Fugato. Der zweite Satz Elegie besteht aus einer einzigen gefühlvoll empfundenen Melodie. Der sonore Geigenklang schwebt gleichsam über den sphärischen Klängen des Klaviers. Im virtuosen Finale vivace findet die Sonatine ihren Höhepunkt. Spielerische Leichtigkeit, Marschrhythmen und dramatische Steigerungen lösen einander in schneller Folge ab. Die Coda führt in wilden Arpeggien zum Schluß.

 

(...) Einige Jahre später begleitete ich meinen Sohn bei einem Schülerkonzert am Klavier. Er hatte Hummels Sonatine für Violine und Klavier zu spielen und war richtig stolz, dieses Stück mit den zum Teil äußerst komplizierten Rhythmen knacken zu können. "Das grooved ja richtig!" war das Schönste, was ein Junge zu dieser Musik sagen konnte. Mich beeindruckte die Komposition wegen ihres geradezu frechen Umgangs mit dem musikalischen Material, mich faszinierte, wie Hummel Elemente des Jazz einbezog und Jugendliche zur Neuen Musik hinzuführen verstand.

Wilfried Hiller (CD-Booklet der Tastenspiele beim Label MUSICAPHON, 2005)

 

Manchmal zu seinem Leidwesen wird der 1925 im badischen Hüfingen geborene Komponist mit einem Stück identifiziert, das selbst für jüngere Spieler relativ leicht realisierbar und dabei fulminant klingend, ungeahnte Popularität erlangt hat und bei musikalischen Wettbewerben mit Streicherbeteiligung landauf, landab immer wieder als das pädagogische Standardwerk des zwanzigsten Jahrhunderts zum Einsatz kommt. Diese Sonatine für Violine und Klavier op. 35a von 1969 ist dabei nur ein markantes Beispiel aus einer ganzen Reihe pädagogisch motivierter Werke aus Hummels Feder, die aus der Notwendigkeit entstanden sind, die eigene Nachkommenschaft - sechs Söhne und mittlerweile 15 Enkel wurden es schließlich - und die Schüler seiner auch heute noch als Violinpädagogin sehr gefragten Ehefrau Inken mit spielbarer Literatur zu versorgen, die den Weg zur Beschäftigung mit der Musik des zwanzigsten Jahrhunderts öffnen sollte. Wir Musikpädagogen greifen regelmäßig dankbar auf diesen großen Fundus an guter Musik zurück.

Michael Corßen (aus "Bertold Hummel und die Sonatine", Programmheft der Musikschule Gütersloh, 2000)

 

Presse

Frankfurter Allgemeine Zeitung 27.3.2002

Die Sonatina von Bertold Hummel war ein mitreißendes Zwischenspiel, in dem ungarische Klänge und Rhythmen in kurzweiliger Weise miteinander verbunden waren.


Literatur-Tipp

Claus Kühnl: Die Sonatinen von Bertold Hummel