BERTOLD HUMMEL - Texte zu den Werken: opus 41a


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Yume I-IV für Soloflöte und Tonband (CD) (1971)

I.

II.

III.

IV.

 

Uraufführung: 11. Mai 1971, Würzburg, Bayerisches Staatskonservatorium für Musik
Werner Berndsen

Aufführungsdauer: 11 Minuten

Verlag: Advance Music Bestellnummer: 08501 Beim Wettbewerb der National Flute Association USA für Neuerscheinungen wurde die Ausgabe 1996 mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

Die der Notenausgabe beigefügte CD beinhaltet die Tonbandklänge sowie eine kompletten Aufnahme des Stückes, interpretiert von Werner Berndsen.

  Video: Yume III

 

Das 1971 - auf Anregung meines Kollegen Werner Berndsen - entstandene Werk Yume I-IV verdankt seinen Titel dem japanischen Wort "Yume" und bedeutet "Träume".

In vier Abschnitten wird der "Live-Solo-Flöte" ein Tonband zugespielt, das lediglich - durch Flöteninstrumente - (Piccolo, große Flöte, Alt-Flöte) - erzeugte Klänge, Melodien, Rhythmen und Geräusche speichert. Diese Tonbandaktionen sind durch verschiedenste Manipulationen - wie doppelte und halbe Geschwindigkeit, Rücklauf, Halleffekte etc. - verfremdet.

Yume I - Die von der Live-Solo-Flöte vorgetragenen melodischen Gebilde - begleitet von gongartigen Klängen - verdichten sich in einer Kadenz und entspannen sich wieder gegen Ende.

Yume II - Unerbittliche Bewegungsabläufe lassen einen "Homunkulus"-Eindruck entstehen - eher vergnüglich als bedrohlich.

Yume III - Die von einem Dreitonmotiv abgeleiteten Linien der Live-Solo-Flöte beherrschen diesen sehr ruhigen Teil.

Yume IV - Über polymetrischen, schlagzeugartigen Schichten spielt ein zweistimmiger Kanon in verschiedenen Klangebenen, der sich im äussersten pp verliert.

Bertold Hummel

 

Im Mai 1981 äußerte sich Bertold Hummel in einem Brief an den Freund und Dirigenten Günther Wich, dass er sich Yume I-IV, op. 41a auch in einer choreographierten Interpretation vorstellen könnte.

 

"Yume" (zu deutsch "Traumgesichte") wurde im März und April 1971 komponiert und im Mai durch Werner Berndsen in Würzburg uraufgeführt. Das zur Soloflöte (Alt- und Große Flöte) zugespielte präparierte Tonband verwendet ausschließlich auf und mit der Flöte erzeugte Klänge, die in dieser Form live nicht möglich sind, so daß es nicht durch mehrere Spieler ersetzt werden könnte, also eine legitime Berechtigung hat. Die durch das Medium Tonband erzeugten Klänge werden lediglich durch Änderung der Bandgeschwindigkeit, durch überhöhte Verstärkung und durch Verwendung von Nachhall erreicht. Durch die Verlangsamung oder Erhöhung der Bandgeschwindigkeit werden Töne vom Kontra-G bis zum 5-gestrichenen ais, im zweiten Satz sogar bis zum 6-gestrichenen ais erzielt (dabei wird jedoch die Grenze der Tonbandtechnik überschritten).

Die Partitur wurde vom Komponisten für die Soloflöte und 4-5 Zuspielflöten angelegt. Im ersten Satz kommt es in Takt 28 durch eine kaskadenartige Übereinanderschichtung sogar zur 10-stimmigkeit im Zuspielband. Die Partitur ist konventionell geschrieben und jede Nuance ist mit größter Akribie vorgeschrieben. Es handelt sich an keiner Stelle etwa um Improvisation! Nachfolgend die in den einzelnen Sätzen zusätzlichen "Anweisungen"

1. Satz: gongartige Klänge/Glissando/nur Klappen/Flatterzunge/Echo

2. Satz: schneller Bandanzug/Tritonusglissando/Glissando 1/2, 1, 1 1/2 Ton/Einspielung einzelner Takte in doppelter Geschwindigkeit und auch rückwärts im Krebs

3. Satz: Schnalzeffekt (Zungenschnalzen mit angesetzter Flöte)/Glissando durch Verschieben des Daumens im Kopfstück/Allklappentremolo/ins Mundstück blasen, alle Luft durchs Rohr (Fauchen)/Glissando (1 kl.Septime)/ Einblenden einzelner Takte im doppelten Tempo/Flageolett und Glissando der Soloflöte

4. Satz: Klappenpercussionseffekt/Schnalzeffekt/Tremolo/ im Kanon geführte Kopie der Soloflöte mit Hall/Beckeneffekt/Flatterzunge/Flatterzunge+Triller/Glissando (Tritonus).

Thomas Richter

 

Presse

TIBIA 2/98

Die Ausgabe von Advance Music von 1992 enthält eine CD, auf der zuerst das komplette Werk eingespielt ist und dann die Flötenklänge ohne Soloflöte, wie sie bei Aufführungen dem Interpreten zugespielt werden.

Elektronische Manipulationen erzeugen ungeahnte Flötenklänge (...) Diese äußerst farbigen Effekte ruhen auf einem durchdachten Aufbau, der alle Kompositionen von Bertold Hummel auszeichnet.(...) Das trotz seiner Komplexität spielerisch wirkende Werk beeindruckt Spieler wie Hörer.

Beim Wettbewerb der National Flute Association USA für Neuerscheinungen wurde es 1996 mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

 

Hanauer Anzeiger, 25.7.1997

Esther Alt gab mit Bertold Hummels Yume I/II (1971) die einstimmende Atmosphäre für den Abend. In die Klangeffekte der elektronisch zu ungeheurem Spektrum aufgefahrenen Tonband-Flöte mit Mega-Klappengeräuschen und tief schwingenden Basstönen fand sich die Musikerin mühelos ein und erreichte rare Synthese zwischen Elektronik und Akustik zu dem transparenten Bild einer "Flöte pur", das sich Altmeister Hummel gewünscht hatte und in dieser Interpretation auch voll verwirklicht sah.

 

Ostfriesische Nachrichten, 30.7.1996

Dieses Werk erstaunte und faszinierte gleichermaßen. Hier sind Töne, Laute, Skalen verschiedener Flöten aufgenommen, verfremdet bis zur Unkenntlichkeit, zu Rhythmen verarbeitet oder zu Clustern. In einem Dialog mit der Live-Flöte ergeben sich fantastische Effekte, Korrespondenzen, tun sich neue Horizonte auf. In Jens Becker war für die Interpretation eine Idealbesetzung gefunden. Mit größter Seriösitat und Können setzte er das Werk, das übrigens einen begehrten Preis in den USA erhalten hat, in Szene, ins Leben und ließ die Spannung ebenso wirken wie die Heiterkeit, die der Komposition innewohnt.