| Kontraste
für Streicher, op. 50 (1973) I.
Introduktion  II.
Burleske III.
Elegie IV.
Vivace V.
Orgelpunkt VI.
Allegro molto  VII.
Epilog Uraufführung:
28. Oktober 1973, Mainz, Hilton Hotel Badisches Kammerorchester / Manfred Reichert 
Besetzung:
8 Violinen, 2 Violen, 2 Celli und 1 Kontrabaß Aufführungsdauer:
14 Minuten
Autograph:
Titel: "Contraste für 13 Streicher" (1973)
Umfang: 26 Seiten
Datierung: I. 9.Aug.73 II. 11.Aug.73 III. - IV. 14.Aug. 73 V. 22.Aug.73 VI. 24.Aug.73 VII. 25.Aug.73
Verlag:
N. Simrock Hamburg-London (Boosey & Hawkes)
Musicaphon
M 55717
Bertold
Hummels 'KONTRASTE FÜR STREICHER' op.50 (1972) gliedern sich in sieben Formteile.
Das Streichorchester ist dreizehnfach geteilt. Traditionelle Kategorien wie Melodie,
Harmonie und Polyphonie sind hörbar, folgen jedoch eigenständigen Ordnungsprinzipien.
Das Tonmaterial wird von einer 12-Tonreihe abgeleitet, die im III. Teil (Elegie)
linear vollständig erscheint. Alle melodisch-linearen Gestalten gehen aus
Permutationen der Urgestalt der Reihe und aus der Arbeit mit Segmenten derselben
hervor. Für die vertikalen Klangschichtungen (Harmonik) verwendet Hummel
mit Vorliebe die beiden Transpositionen der Ganztonreihe, aber auch Terz-Quart-Klangkomplexe.
Einer spezifisch polyphon-kontrapunktischen Anordnung begegnen wir im VI.Teil
(Allegro molto). Hier werden drei Strukturen miteinander verbunden (repetitiv
rhythmisiert - Glissando - linear). Auch der V.Teil (Orgelpunkt) folgt einem ähnlichen
Prinzip (gleichmäßige Achtelpulsation-melodische Expansion). Im II.Teil
(Burleske) werden komplementäre Rhythmen an Klangkomplexe in unterschiedlichen
Tonhöhenbereichen gebunden (Pizzicati). Im IV.Teil ergibt sich ein 'Kontrast'
aus der Verflechtung eines bewegten Continuums (Sechszehntel) mit 'gespreizten'
Klangflächen und markant rhythmisierten Unisono-Attacken. Der Titel 'Kontraste'
bezieht sich sowohl auf das Gesamtwerk (strukturell unterschiedliche Teile) als
auch auf die Binnenstruktur innerhalb jedes einzelnen Teiles. Thomas
Müller Im
Mai 1981 äußerte sich Bertold Hummel in einem Brief an den Freund und
Dirigenten Günther Wich, dass er sich seine Kontraste op. 50
auch in einer choreographierten Interpretation vorstellen könnte.
Presse Melos
1974/II, Rezension der UA Hier
ist in sieben Einzelsätzen von sehr gegensätzlichem, aber doch gut ausgewogenem
Ausdruck eine reizvolle Klangwelt von gut durchhörbarer Transparenz eingefangen,
die bei der Uraufführung sofort überzeugte. Burleske und Elegie
sind Endpunkte einer ganzen Skala unterschiedlicher Erlebnisbereiche, die von
einer meditativen Introduktion und von einem verhaltenen, melancholischen Epilog
umrahmt werden. Vivace und Allegro molto polarisieren den Klangzauber
eines impressiven Orgelpunkts. Es drängt sich der Vergleich mit der Gattung
Streichquartett auf. Hummel hat zu einem entsprechend wandlungsfähigen Apparat
gegriffen, der häufig genug in dreizehn solistisch eingesetzte Einzelstreicher
zerfasert wird. Aus diesem Klangkörper holt er zarteste Klanggewebe, komische
Effekte und zupackende Schlagkraft heraus. Hier scheint eine Verschmelzung von
klarer Formgebung mit einem Reichtum von persönlichen Aussagewerten eingetreten
zu sein. Dabei hält der Komponist das Werk jedoch frei von jedem übermässigen
Pathos und kann durch sparsame Gestik weit mehr vermitteln als durch ungezügeltes
Espressivo. Klaus
H. Stahmer Braunschweiger
Zeitung, 1.12.1975 Als
Ouverture des Abends hatte Heinz Zeebe ein wirkungssicheres Stück, die Kontraste
für dreizehn Streicher (1973) von Bertold Hummel ausgewählt. Dieses
sieben Einzelsätze sind freitonal in herkömmlicher Notation geschrieben
und zeichnen sich durch differenzierten Farbenreichtum aus. Die in einem zart
verklingenden Epilog ausmündenen Stücke wurden von den Streichern exzellent
und klangsinnig musiziert. Orchester
1973 Neben B. Brittens
"Simple Symphony", die heute wohl in kaum einem Repertoire eines
Streichorchesters fehlt und auch in Mainz zum Abschluß gespielt wurde, konnten
sich diese neuen Orchester-Miniaturen hervorragend bewähren. Sie versprechen,
neben den "Klangfiguren" von Hummel zu echten Repertoirestücken
zu werden. Mainzer
Allgemeine Zeitung 30.10.1973 Hummels
Werk ist gemäßigt modern, ein Fest von Klangnuancen fürs Ohr,
ein geradezu "angenehmes" Opus, das mehr erfreute als erschütterte.
Subtile Gewebe aus fremden Harmonien erscheinen über normalen Dreiklang-Akkorden.
Das Schwebende, Schwirrende dominiert, mit Flagolett-, Glissando- und Triller-Effekten,
mit kostbaren Orgelpunkt. Es ist ein anspruchsvolles koloristisches Ereignis eingerichtet
für die Rafinessen der Streicherkunst, denen es obliegt, gelegentlich einen
Oboen- oder Fagott-Effekt heraufzubeschwören. Stuttgarter
Zeitung 18.6.1974 Von
den Kammerorchesterwerken waren die Kontraste für dreizehn Streicher
von Bertold Hummel ein schön klingendes und effektvolles Stück, Musik
eines freitonalen Quasi-Impressionismus, die für vornehmlich auf Barockmusik
getrimmte Kammerorchester eine wohltuende Abwechslung sein sollte. Badische
Zeitung, 28.1.1974 Was
sich da aus einer vorspruchartigen Geigenkadenz entwickelt, ist ein bewegtes,
phantasie- und figurenreiches Stück. Hummel läßt Moden Moden sein,
gibt zu verstehen, dass er auf den sonoren Vollklang des Streicherkörpers
aus ist. Gut Anhörbares von einem, der viel kann, sich auf abwechslungsreichen
Orchestersatz versteht und ein ungebrochenes Verhältnis zum handfesten Effekt
hat. |