BERTOLD HUMMEL - Texte zu den Werken: opus 55c


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Fragment für großes Orchester op. 55c (1975)

 
Beginn der Komposition

 

Uraufführung: 7. Januar 2000, Bamberg, Sinfonie an der Regnitz
Bayerisches Landesjugendorchester / Werner Andreas Albert

Orchester: 3.3.3.3 - 4.3.3.1 - Pk., Perc., Hrf., Streicher

Aufführungsdauer: 12 Minuten

Verlag: N. Simrock Hamburg-London (Boosey & Hawkes)


Video: Hummelwerke auf Youtube

 

Das Fragment für großes Orchester op. 55c zeichnet den letzten Abschnitt der Balletthandlung nach: Und wieder tritt ein Diktator auf mit seinen Spießgesellen. Sie schüren als "Befreier" Hass und Neid unter den Völkern. Sie demonstrieren ihre Macht und beginnen einen totalen Krieg mit nuklearen Vernichtungswaffen. Diesmal ist die Zerstörung so vollständig, dass es für Mensch und Tier keine Überlebenschancen mehr gibt. Vergeblich versucht die letzte Blume (Flötensolo) noch einmal zu wachsen und zu blühen. Sie stirbt im tödlichen Atomregen.

Bertold Hummel

 

1974 komponierte Bertold Hummel sein Ballett "Die letzte Blume" nach einer Bildergeschichte von James Thurber. Während sich jedoch bei Thurber Zerstörung und Wiederaufbau der Welt zu einer endlosen Kette reihen, wobei die Menschen jedesmal wieder vergessen, warum ein Krieg eigentlich geführt wurde - die Handlung also auf eine ewige Wiederholung, quasi auf ein Rondo menschlicher Dummheit und Grausamkeit hinausläuft - hat Hummel ein Finale gewagt, das warnend besagt, dass eine Zerstörung durchaus auch endgültig sein kann, wenn die Menschen nicht begreifen, wo die Wurzeln des Übels zu finden sind: in Macht- und Raffgier sowie Hass und Menschenverachtung.

 

Presse

Nürnberger Nachrichten 12.1.2000

Das Viertelstundenstück schlägt von Anfang an mit großem Schlagwerk und rohem Bläserdräuen apokalyptische Töne an, malt ein aufrüttelndes Menetekel. Hummel versagt sich trotz virtuoser Orchestrierung der Endzeitsituation alle melodische Beschwichtigung, das flötende Klagen der letzten Blume klingt einsam irrlichternd durch die Reihen, bevor der "tödliche Atomregen" niederrieselt.

 

Nürnberger Zeitung 12.1.2000

Beunruhigend, drohend entlud sich die Uraufführung von Hummels Fragmentfinale "Die letzte Blume". Mit Plastizität führte der gewaltige Orchesterapparat ein schauriges Endzeitszenario vor, das in eingeschobenen, streng formulierten Rhythmen, Reihenaufstellungen und dröhnenden Bass-Ostinati vermeintliche Ordnung in einer despotisch-chaotischen (Kompositions)-Welt vorspielt.

Die Musik illustriert den totalen Untergang sinnfällig; die Flöte als Blumensymbol fungierte da nicht einmal mehr als Hoffnungsträger, sondern nur noch als melancholische, letzte Bestätigung, wenn sie glissandierend im Sirenenton erstirbt.

 

Fränkischer Tag Bamberg 10.1.2000

Das von explosionsartiger Klangentfaltung gekennzeichnete Werk ... ansprechend und raffiniert orchestriert ... wirkte, wie die Zustimmung im Saal zeigte.