BERTOLD HUMMEL - Texte zu den Werken: opus 5a


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Missa brevis für gemischten Chor und 8 Bläser, op. 5a (1951)


I. Kyrie

II. Gloria

III. Credo

IV. Sanctus

V. Agnus Dei

 

Bläserbesetzung: 2 Oboen (E.H.i.F), 2 Fagotte, 2 Tompeten i. C und 2 Posaunen (evtl. Tuba)

Uraufführung: 12. Oktober 1952, Donaueschingen, Katholische Stadtkirche St. Johann
Freiburger Domchor / Bläser des Freiburger Philharmonischen Orchesters / Franz Stemmer

Aufführungsdauer: 18 Minuten

Autograph A/B:
Titel: Missa brevis (1951) op 5 für gemischten Chor + 8 Bläser / "Missa Brevis" op. 5 für gem. Chor und 8 Bläser (Abschrift 1986)
Umfang: 28 Seiten / 51 Seiten
Datierung: -

Verlag: Schott Music
Partitur: ED 21285 / ISMN: 979-0-001-18036-8
Chorpartitur
(mit Orgelauszug zur Einstudierung) ED 21285-1 / ISMN: 979-0-001-18037-5
Bläserstimmen: ED 21285-11 / ISMN: 979-0-001-18038-2


Conventus Musicus CM 103

 

Die Missa brevis für gemischten Chor und acht Bläser op. 5 entstand im Jahre 1951. Im Rahmen der Donaueschinger Musiktage für zeitgenössische Tonkunst 1952 fand die UA des Werkes statt. Das Messordinarium (Kyrie-Gloria-Credo-Sanctus-Agnus Dei) ist in einer an der Gregorianik und an Kirchentonarten ausgerichteten Modaltechnik komponiert und lehnt sich an mittelalterliche Vorbilder an. In knapper, holzschnittartiger Weise wird der lateinische Messetext liturgiefreundlich gestaltet. Der herbe diatonische Klang der "Missa brevis" resultiert aus der modalen Verarbeitung sowohl im Vertikalen als auch im Horizontalen. Im Idealfall sollte das Werk während einer Messliturgiefeier zum erklingen kommen.

Bertold Hummel

 

Presse

Musica Sacra 3/2004

Das etwa 20-minütige Werk aus dem Jahr 1952 verlangt je zwei Oboen, Fagotte, Trompeten und Posaunen. Die in der vorbildlich edierten Partitur aufgenommene Orgelstimme dient nur zur Einstudierung und stellt keine Alternative zu den Blasinstrumenten dar. Die Messe ist in gemäßigt moderner Tonsprache gehalten, modal orientiert, mit diatonischen Dissonanzen reichlich gesegnet. Überzeugend gestaltet ist die Textbezogenheit der Musik besonders auch in der Durchsichtigkeit des Bläsersatzes, der stets klug instrumentiert ist, und die Orientierung am Rhythmus der Sprache, die ständige Taktwechsel erforderlich macht. Auch satztechnisch legt Hummel eine kluge Disposition homophoner wie polyphoner Anteile vor. In Linienführung und Ambitus übersteigt das Werk kaum einen mittleren Schwierigkeitsgrad, die Übergänge zu den Einsatztönen des Chores müssen dagegen gut geprobt werden. Insgesamt ist Hummel Missa brevis (mit Credo!) eine lohnende, der Liturgie gerechte Vertonung des Ordinariums.

 

Musica Sacra 2/1992

Mit der abschließenden "Missa Brevis" op. 5 für Chor und acht Bläser hat Hummel ein originelles und vielseitiges Werk geschrieben. Traditionellen Elementen wie der Intonation des Gloria und des Credo stehen eine mäßig moderne Tonsprache und ein unkonventionell tänzerisch gestalteter Gloria-Satz gegenüber.

 

Aachener Nachrichten 16.10.1952

Zum ersten Male wurde in Donaueschingen ein Werk der modernen kirchlichen Gebrauchsmusik zur Diskussion gestellt, eine während des Gottesdienstes in der katholischen Stadtkirche aufgeführte Messe des jungen Freiburgers Bertold Hummel, die auf Choralmotiven, modalem Chor und Bläsermixturen kühne kontrapunktische Gebäude errichtet, hart im Klang und streng in der geistigen Haltung. Für die liturgische Brauchbarkeit zeugte die fleißige und tüchtige Aufführung des Freiburger Domchors unter Professor Franz Stemmer.

 

CVO 2/1953

URAUFFÜHRUNG EINER "MISSA BREVIS" IN DONAUESCHINGEN

Zum erstenmal haben die Donaueschinger Musiktage für zeitgenössische Tonkunst in diesem Jahre auch die zeitgenössische musica sacra zu Wort kommen lassen und in ihr offizielles Programm aufgenommen. Angesichts der Aufgeschlossenheit und der eigenen Vorstöße der Kirchenmusik in musikalisches Neuland und der Stellung der Kirchenmusik in der Musik überhaupt eine längst notwendige Forderung; wir wollen hoffen, dass die musica sacra nova bei den Donaueschinger Musikfesten damit ständigen Sitz erworben hat. – Es ist ja nicht mehr so, daß in der Kirchenmusik die Beziehungen zwischen ihr und der modernen Musik so vollständig unterbrochen sind wie noch vor Jahren, und da die Kirchenmusik nicht an historische Stile gebunden ist, kann sie die Liturgie auch in der Sprache ihrer Zeit verherrlichen, so wie jede Zeit ihre Sprache hat, worauf die Päpste in ihren kirchenmusikalischen Erlassen immer wieder hinwiesen; so setzt sich auch Papst Pius XII. in seiner Enzyklika "Mediator Dei" (1947) für eine gesunde Moderne ein und gibt dadurch dem Psalmwort "Singet dem Herrn ein neues Lied" neue Geltung.

Das neue Werk, von dem wir hier sprechen, ist die 1951 geschriebene "Missa brevis" für gemischten Chor und acht Bläser von Bertold Humrnel. Der jugendliche Freiburger Komponist (geb. 1925), der Schüler von Genzmer ist, hat hier, abgesehen von dem großen handwerklichen Können – das auch eine ungewöhnliche Beherrschung der eigenwillig aber nie gesucht angewandten Satztechnik einbezieht - eine erstaunliche Reife und Selbständigkeit seiner Gestaltungskraft bewiesen und ein gültiges Werk geschaffen, in dem die zeitgenössische Syntax der Musik liturgischen Ausdruck findet. Die musikalische Sprache ist in ihrer an der Gregorianik ausgerichteten Melodik wie in der Thematik von jeder Klangtradition harmonischer Bindungen gelöst und jeder funktionalen Harmonik fern, es wird im Gegenteil die Akkordik - soweit hier im üblichen Sinne davon gesprochen werden kann - verzweigt, die horizontale und vertikale Linie vollkommen eigenwillig geführt und mehr der Stimmigkeit anstatt dem klanglichen Erlebnis nachgegangen. Diese asketische Strenge gilt auch für die Textbehandlung, die in schwebender Deklamation, ebenfalls der Gregorianik verpflichtet, keinerlei musikalische Deutelei duldet. In der musikalischen Einbettung und Gesamtstruktur treten Homophones und Polyphones rechthaberisch einander gegenüber. Die Bläseraufgaben (je zwei Oboen, Fagotte, Trompeten und Posaunen) streben ebenfalls keine Klangverschmelzung mit dem Vokalkörper an, wie wir sie von den Instrumentalmessengewohnt sind, sondern ihre mixturartig angewandten "Klänge" und Episoden erscheinen bisweilen sogar ein wenig beziehungslos zum Gesamtkomplex, so daß man ihre Aufgabe nicht immer restlos gerechtfertigt finden mag. Doch ist diese Missa, im ganzen gesehen, unzweifelhaft ein Wurf, der in der liturgischen Musik einen eigenen Weg einschlägt; ein Werk, an dem außerdem die große Begabung und Implicite, wie uns scheint, die großen Entwicklungsmöglichkeiten des jugendlichen Komponisten deutlich abzulesen sind, wie sie sich in seinem kammermusikalischen Schaffen dokumentieren. Domkapellmeister Professor Franz Stemmer ist bekannt dafür, daß er mit zwar sichtender Hand, aber zielstrebig und konsequent auch wertvolles Neue in der musica sacra aus der Taufe hebt, so hat er sich auch bei diesem neuen Werk mit seinem Domchor und Bläsern des Freiburger Philharmonischen Orchesters mit einer überzeugenden und aus Überzeugtheit entspringenden Hingabe mit den Absichten des Komponisten identifiziert und der Uraufführung vor allem im Gesamtbild eine ungemein geschlossene und von starker Wirkung getragene eindrucksvolle Wiedergabe in der katholischen Stadtkirche Donaueschingen widerfahren lassen. Domkapellmeister Professor Stemmer hat dem Werk unmittelbar nach der Donaueschinger Uraufführung auch im Freiburger Münster den Weg bereitet und ihm eine erfolgreiche Resonanz verschafft.

Dr. M. Ganter

 

Das Volk 16.10.1952

Rhythmisch und melodisch fühlt sich der junge Komponist in diesem Werke der Gregorianik verpflichtet, klanglich scheint manches an Strawinskij orientiert zu sein. Den Ansprüchen wortverhafteter liturgischer Musik wird dieses gute Beispiel brauchbarer moderner Kirchenmusik in allen Teilen gerecht.

 

Nieuwe Rotterdamse Courant 16.10.1952

Een derde specimen van moderne kerkmuziek was de Missa Brevis voor koor en blazers van Bertold Hummel (Duitsland). De melodiek van dit werk is door gregoriaanse voorbeelden geinspireerd maar in zijn uitdrukkingsvorm en schrijftechniek is de mis volkomen modern en mag gelden als een goed vorbeeld van hedendaagse kerelijke toonkunst.


Erstausgabe: Anton Böhm & Sohn, Augsburg 1981