BERTOLD HUMMEL - Texte zu den Werken: opus 68b


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Invocationes für Sopransaxophon in B und Orgel op. 68b (1978/1995)

I. De profundis

II. In te domine speravi

III. Non confundar in aeternum Anfang

 

Aufführungsdauer: 22 Minuten

Verlag: Schott Musik International ED 6814 / ISMN: 979-0-001-07227-4
Saxophon-Einzelstimme: ED 6814-01 / ISMN M-001-11489-9

I.II.III.Saxophon-Stimme

Conventus Musicus CM 105

 

"De profundis", die erste der drei "Invocationes" (Anrufungen), basiert auf dem Choral "Aus tiefer Not schrei' ich zu dir" (nach dem Psalm "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir"). Die Orgeleinleitung drückt das "De profundis" ("Aus der Tiefe") durch zweimaliges Absinken von B nach A und einen Orgelpunkt auf E als Triller im Pedal aus. Nach fanfarenartigen, sich beschleunigenden Tonwiederholungen intoniert das Soloinstrument ein aus dem Anfang der Choralmelodie gebildetes Motiv und läßt es als Echo nachklingen, um es dann kadenzartig frei weiterzuspinnen. Nachdem sich auch der Orgelpart zu immer virtuoseren Passagen gesteigert hat, trägt das Saxophon die vollständige Choralmelodie (frei deklamierend) vor, läßt sie durch zweimalige Wiederholung der drei Schlußtöne sehr ruhig ausklingen und setzt dann gemeinsam mit der Orgel zu einer großen Schlußsteigerung an, die im dreifachen Forte mit brillantem Tremolo (Flatterzunge des Saxophons) gipfelt.

Den zwei folgenden "Invocationes" liegen die beiden Schlußsätze des Te Deum zugrunde. "In te Domine speravi" ("Auf dich, o Herr, habe ich gehofft") beginnt mit einer dem Text entsprechenden Rezitation auf fis durch das Soloinstrument. Nach ihrer echoartigen Wiederholung setzt espressivo das achttönige Thema (gleichsam eine Vertonung des Textes) ein, das durchgeführt und - musikalisch die steigende Hoffnung symbolisierend - immer mehr gesteigert wird, bis der fff-Höhepunkt die Rezitation auf e bringt, worauf die Invocatio mit Thema und Rezitation nach und nach wie im Nichts verklingt.

"Non confundar in aeternum" ("Ich werde nicht zuschanden in Ewigkeit") wird mit dem Thema, forte und in halben Noten, vom Soloinstrument allein eröffnet. Die Orgel steuert anschließend eine ostinate Figur im Manual und eine andere im Pedal bei. Die Invocatio mündet in eine großangelegte Kadenz, die in einem Echo verhallt. Nun klingt noch einmal das "De profundis"-Motiv an, dessen hilfesuchendem Anruf in unerschütterlicher (Ostinato-Begleitung!) Glaubensgewißheit das "Non confundar in aeternum" antwortet, welches dann allmählich im dreifachen piano verebbt.

Das Werk wurde in seiner ursprünglichen Fassung für Trompete und Orgel 1978 als Auftragswerk für die Orgelkonzertweihe im Freiburger Münster komponiert und am 5. September desselben Jahres anläßlich des Katholikentages uraufgeführt. Auf Anregung des kanadischen Saxophonisten Normand DesChênes verfasste ich im Jahre 1995 die Adaption für Saxophon und Orgel.

Bertold Hummel