| BERTOLD HUMMEL - Texte zu den Werken: opus 80 Zurück zur Verzeichnisliste |
| Poem für Violoncello und Streicher, op. 80 (1984)
Uraufführung:
13. Juli 1985, Ottobeuren, Kaisersaal Streicherbesetzung (auch chorisch): 8 Violinen, 2 Bratschen, 2 Violoncelli, 1 Kontrabass Aufführungsdauer: 25 Minuten Verlag:
Schott Music
Inhalt
und formale Gestaltung sind in subjektiver Weise dem Stufengedicht abgewonnen.
Die vielfach aufscheinende Kurzmotivik der beiden Teile lehnt sich in "magischer
Formelschrift" dem Gleichnis des Glasperlenspiels an, das im Ring zum Spiel
mit bunten Perlen, zum Spiel mit Symbolen wird. Bertold Hummel
Die
reine Quinte als Stufensymbol steht am Beginn und am Ende des Werkes. Verminderte
und übermäßige Quinten als Varianten bzw. Verschleierungen. Bertold
Hummel (Dieser
Text ist vom Komponisten mit Bleistift skizziert, dann aber nicht als Einführungstext
zur Verfügung gestellt worden!)
Stufen Wie
jede Blüte welkt und jede Jugend Hermann Hesse aus
" Das Glasperlenspiel" mit freundlicher Genehmigung
Presse Memminger Zeitung 16.7.1985 Man lernte einen Komponisten von äußerster Bescheidenheit, jedoch von intensiver künstlerischer Ausstrahlungskraft kennen, der sein "Poem" an das Gedicht "Stufen" von H. Hesse nicht nur anlehnt, sondern die Kraft der Gedanken daraus zieht und sie in Musik umsetzt, die packend in den Bann zieht. Sehr kurze Motive beherrschen in markanten Strichen beide Teile, moderate Zwölftönungen setzen helle Lichter auf, und die alte Regelung des Zwiegesprächs Orchester — Soloinstrument wird auf fesselnd moderne und ungemein überzeugende Art gelöst.
Rhein-Neckar-Zeitung 31.5.1986 Gleich nach einem sehr klaren Eingangsthema, das eigentlich nur aus einer aufsteigenden Quint besteht, die aber durch vielfältige Engführung in den durchwegs solistisch behandelten Streichern sogleich in klangliche Vielfalt übergeführt wird, nehmen geheimnisvolle Flageoletteffekte die Aufmerksamkeit des Hörers gefangen. Aus der Erweiterung des Themas entsteht ein Dialog zwischen den dreizehn Solisten des Orchesters und Julius Berger, wobei anspruchsvolle lnstrumentaltechniken von den Ensemblestreichern ebenso verlangt werden wie vom Soloinstrument - dort aber geradezu exzessiv. Spätestens hier wird klar, daß der Komponist (wie in seiner Biographie nachzulesen ist) selbst als Cellist ausgebildet wurde! Akkorde wie aus gebrochenem Glas gewonnen, spannende Überleitungen, Solokadenzen mit irisierenden Klangfarben: Vieles deutet auf eine sehr subjektiv empfundene Musik. Tatsächlich gibt der Komponist die Auskunft, das Werk sei inspiriert durch das Stufen-Gedicht von Hermann Hesse: "Wie jede Blüte welkt und jede Jugend dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, blüht jede Weisheit auch und jede Tugend zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern." Es ließ sich schon bei einmaligem Hören feststellen, wie stark der formale Aufbau des Werks von thematischen Bezügen bestimmt wird, und wenn im zweiten, beinahe rondohaften Teil deutlich wird, daß alle Errungenschaften der Avantgardemusik der Sechzigerjahre vom Komponisten genauestens studiert worden sind, so blieb andererseits die lyrische Kantilene, der weitgezogene Atem letztlich bestimmend.
Pforzheimer Zeitung November 1985 Das "Glasperlenspiel" von H. Hesse mit seinem Gedicht "Stufen" war der geistige Ausgangspunkt für die Komposition, die teilweise in transzendente Bereiche führt und als ein klingendes Glasperlenspiel von geheimnisvoller und faszinierender Aussagekraft empfunden werden muß.
Basler Zeitung 1.6.1992 Solo und begleitendes Streichorchester waren von gleicher Liebe zum sinnlich vibrierenden Klang beseelt, das Ganze ein wiederum nicht auf vordergründige Weise "religiöses", wiewohl spürbar von Enthusiasmus geprägtes Werk.
Neue Ruhr Zeitung 12.3.1986 Mit zart verwobenen Streicherklängen führte das Folkwang Kammerorchester unter Alexander Schwinck in eine Traum-Welt ein und bildete so einen durchsichtigen Prospekt, vor dem der Cellist Julius Berger, dem das Werk gewidmet ist, sich entfalten konnte. Danach fordern Gedicht wie Musik zu immerwährendem Aufbruch und Neuanfang auf. Nach Zweifeln und Zögern des herumirrenden Cellos löst sich alles im klärenden B-A-C-H, denn auf diesen vier Tönen fußt die Komposition. Eine Hommage an den Meister also dazu.
Basellandschaftliche Zeitung 1.6.1992 Wachsen, Reifen, alte Räume verlassen bilden darin die Themen, musikalisch wurde es zu einem höchst differenzierten Stück musikalischer Prosa. Eigenwillig die Solopassagen des Cellisten und ungeheuer verdichtet das Konzertieren im Orchester, das in raschem Wechsel unterschiedlichste Stimmungen darbieten musste.
Westdeutsche Allgemeine Zeitung 10.3.1986 Man könnte die Komposition auch als Meditation für Cello verstehen. Beredt sprechend gibt sich das Soloinstrument teils in kantabler Melodik und teils figurativ bewegt ständig wechselnden Stimmungen hin.
nmz, Februar 2012 Stilrichtung, allg. Charakter: Ein musikalisch vielseitiges, technisch anspruchsvolles Cellokonzert in zwei Sätzen, inspiriert unter anderem durch Hesses "Glasperlenspiel". Form, Struktur: Zweisätzig, 1. Satz mit zwei großen Kadenzen. Solostimme ohne Pause, wird getragen und umhüllt vom Klang der geteilten Streicher. Notation, Dauer, Schwierigkeit: Traditionell notiert; 25 Minuten; schwer bis sehr schwer. Kommentar: Das 1985 uraufgeführte Werk des Würzburger Komponisten beeindruckt durch Ausdrucksvielfalt und klanglichen Facettenreichtum. |