BERTOLD HUMMEL - Texte zu den Werken: opus 99a


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Acht Klangbilder für Percussion solo, op. 99a (1995)

I. Ezechiel 37

II. Passion I

III. Passion II

IV. Passion III

V. Dreieck

VI. Kreis

VII. Viereck

VIII. Ludi

 

Uraufführung: 15. Dezember 1995, Gnadenthal (Bad Camberg)
Stefan Eblenkamp


Percussion: Vibrafon, 2 Tom-Toms, Stand-Tom-Tom (Größe 18''/22''), Bongos, Kleine Trommel, Bass Drum, 5 Templeblocks, 3 Crotales, 4 Becken, Nietenbecken, Kleiner Glissando-Gong, 2 Gongs (mittelgroß), Tam-Tam (32 Inches), Log-Drum, Vibraslap, Chimes (metall), Flexaton, 2 Steine, 2 Röhrenglocken, 2 Flaschen, Ocean-Drum, Rain-Stick, Guiro, Kuhglocken, 2 Ketten (schwer/leicht), Dobaci (kann durch Vibrafon ersetzt werden) Triangel.

Aufführungsdauer: 21 Minuten

Autograph:
Titel: I Ezechiel 37
Umfang: 20 Seiten
Datierung: I. 8.8.95 II. 9.8.95 III. 10.Aug.95 IV. 11.8.95 V. 14.8.95 VI. 15.8.95 VII. 16.8.95 VIII. 20.8.95
Aufbewahrungsort:

Verlag: Zimmermann Musikverlag Frankfurt ZM 32830 / ISMN: M-010-32830-0

Die Bilder von Andreas Felger sind als Druck, Dia und auch digital auf CD zu beziehen über
Andreas Felger Kulturstiftung
Florastraße 90
13187 Berlin

www.af-kulturstiftung.de


Bertold Hummel komponierte die 8 Sätze inspiriert durch die Bilder von Andreas Felger und auf Anregung des Schlagzeugers Stefan Eblenkamp. Die einzelnen Bilder und ihre korrespondierenden musikalischen Sätze tragen die Titel: Ezechiel 37, Passion I-III, Dreieck, Kreis, Viereck und Ludi. Die 4-Farb-Reproduktionen ersetzen entsprechende Kommentare zu den Stücken und verleihen dem Gesamteindruck eine zusätzliche Dimension. Empfehlenswert ist eine Aufführung mit gleichzeitiger Projektion der Bilder als Dias, die vom Künstler direkt bezogen werden können

 

Interview ("Schwarzwälder Bote" 14.3.1997)

Frage: Ihr Werk für Percussion op. 99a haben Sie zu acht Aquarellen von Andreas Felger komponiert. Mir ist bekannt, dass Herr Felger öfters zu Musik malt. Hier findet ein Austausch unter Künstlern statt. Wie kamen Sie zu Andreas Felger?

Hummel: Der Schlagzeuger Stefan Eblenkamp fragte mich, ob ich Lust hätte, zu Bildern von A. Felger eine Musik zu schreiben. Bei einem Besuch in Felgers Atelier suchte ich mit dem Maler die Objekte aus, die sich meines Erachtens für eine musikalische Deutung eigneten.

Frage: Haben Sie bereits zu Bildern anderer Künstler komponiert?

Hummel: Ja, es gibt eine Sinfonische Dichtung für großes Orchester "Die Stille vor dem Sturm" nach einem Gemälde von Hans Thoma.

Frage: Möchten Sie etwas erzählen über den Prozess, der in Ihnen abläuft, wenn Sie zu einem Bild komponieren? (Wer ein Felger-Bild genau betrachtet und Ihre Musik dazu hört, spürt etwas von Ihren Empfindungen, meine ich.)

Hummel: Ich habe mir die Felgerschen Bilder lange im Original betrachtet und hatte sie in Reproduktionen bei der Komposition vor Augen. Die Umsetzung meiner Empfindungen verläuft dann in rein musikalischen Kategorien und ist sehr subjektiv. Wenn der Hörer dies nachempfinden kann - umso besser.


Vorwort zur Notenausgabe (Musikverlag Zimmermann, Frankfurt)

Die künstlerischen Verbindungen zwischen Musik und Malerei sind mannigfaltig. Viele Künstler haben gerade im ausgehenden Jahrhundert die wechselseitige Zusammenarbeit gesucht oder sich durch entsprechende Vorgaben inspirieren lassen.

Meine erste musikalische Begegnung mit der Verbindung beider Künste hatte ich bereits als Kind. Damals spielte ich ein Werk des Amerikaners Schlagzeugers Al Payson mit dem Titel "The twittering machine" (Die Zwitschermaschine) nach den gleichnamigen Gemälde von Paul Klee. Seither hat auch mich als Interpret die faszinierende Verknüpfung beider Künste immer wieder angeregt. Die enormen Möglichkeiten musikalischer Farbgebung prädestinieren aus meiner Sicht gerade die Schlaginstrumente für diese Aufgabe.

Die künstlerische Arbeit von Andreas Felger verfolge ich seit vielen Jahren mit großer Begeisterung. So freute ich mich sehr, ihm bei seinem Wunsche nach der Vertonung einiger seiner Werke behilflich sein zu können.

Mit Bertold Hummel konnten wir für dieses Vorhaben einen Komponisten gewinnen, der inhaltliche, formale sowie farbliche Beziehungen der gewählten Bilder meisterhaft in acht prägnante musikalische Aussagen übersetzt hat.

Ich freue mich, an der Entstehung, Uraufführung und den ersten Konzerten mit den "Klangbildern" beteiligt gewesen zu sein. Für weitere Aufführungen empfehle ich die Projektion der zugehörigen Bilder per Dia, da sich erst in der direkten, zeitgleichen Verbindung beider Ebenen die volle künstlerische Kraft der "Klangbilder" vermittelt.

Stefan Eblenkamp, April 1998

 

Presse

Kreisnachrichten Nagold 14.3.1997

Hummels Musik für Percussion strahlt eine eigenartige Ruhe mit großer innerer Spannung aus. Die Entwicklung der Lautstärken und der Einsatz der vielfältigen Schlaginstrumente und Geräusche ist außerordentlich subtil und empfindsam. Da hat ein Meister Schlagmusik geschrieben, dem der Eindruck des Felgerschen Bildes musikalische Gedanken hoher Intensität eingab, die er nicht als schreierische eigene Empfindung darstellen, sondern als vorsichtige Deutung daneben stellen wollte.

 

Literaturempfehlungen für den Unterricht an Musikschulen . Ausgabe August 2001 .
gesichtet von den Fachberater(inne)n für den VdM

Sehr anspruchsvolle, teilweise schwierige Solo-Vortragsstücke der Gegenwart für ein umfangreiches Percussions-Arsenal. Rhythmisch und in den Klangfarben sehr abwechslungsreich. Zu empfehlen für fortgeschrittene Oberstufen-Schüler, durchaus auch für Hochschulaufnahme-Prüfungen geeignet. Im Zentrum der Stücke steht meist das Vibraphon. Benötigt werden an außergewöhnlichen Instrumenten: 1 Log-Drum, Crotales, verschiedene Gongs, Chimes, Klangsteine, Röhrenglocken, Ocean-Drum, Rain-Stick, Reibegongs (Klangschalen)
(Ulrich Moritz)