BERTOLD HUMMEL - Texte zu den Werken: 14 Tänze aus dem Schwarzwald


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14 Tänze aus dem Schwarzwald für 2 Klarinetten in B, Trompete in B, 2 Violinen und Kontrabass (1957)

1. Simonswälder Bauernwalzer
2. Schonacher Oberab
3. Schottisch
4. Jörgli-Polka
5. Bernauer-Polka
6. Rheinländer
7. "Der rote Hans" Polka
8. Heuberger
9. Glaser-Schottisch
10. Triberger Hippentanz
11. Kilbi-Tanz
12. Heissa Kathreinerle
13. Walzer aus Siegelau
14. "Lorenz"

Musikalische Gestaltung:
Bertold Hummel

Erläuterungen zu den Titeln:
2:
Oberab bedeutet nicht ein Tanz von einer höheren Landschaftsebene herunter, sondern bedeutete ursprünglich "von höherer Regierungsebene genehmigte Tänze." Nicht alle Oberab-Melodien sind Tänze, sondern auch Lieder. Es gibt eine Textsammlung aus dem Schwarzwald ohne Noten.
3: Schottisch leitet sich vermutlich von der Ecossaise (Schottischer Walzer) ab. Er ähnelt der Polka und ist verwandt mit dem Rheinländer.
10: Hippe war eine Kleiderform im 17.-18. Jahrhundert, nicht nur im Schwarzwald.
11: Kilbi ist der alemannische Name für Kirchweihfest.
14: Lorenz nennt man im Schwarzwald den Nachtwächterruf.

Verlag: Zimmermann Musikverlag Frankfurt ZM 35110 / ISMN M-010-35110-0
Druckfehler: Nr.3: 2.Vl.: Takt 19 und 23 e statt eis/ Nr.5: 1.Klar.: Schlusstakt: 3mal b statt g/ Nr.11: Trp.: Takt 27 und 31: e statt eis, 2. Klar.: Takt 29: 3.Viertel c satt d

2/4/810/12/13

Tänze aus dem Schwarzwald 1, Calig CAL 17720, Freiburg i. Brsg. 1965; 1969 mit Tanzannleitung
Tänze aus dem Schwarzwald 2, Calig CAL 17721, Freiburg i. Brsg. 1965; 1969 mit Tanzannleitung

Vorwort (Zimmermann Musikverlag Frankfurt)

In den Erzählungen des bekannten Schwarzwald-Chronisten Heinrich Hansjakob (1837-1916) lesen wir von Volksmusikanten, Schnurranten, Hochzeitsgeigern, Pfeifern und Trompetern zu deren Musik die Menschen im Schwarzwald feierten und tanzten. In einer Jahrhunderte alten Tradition wurden eigenständige Volksweisen von Generation zu Generation meist mündlich weitergegeben und nur wenige davon sind uns auf Notenblättern erhalten.
Der junge Komponist Bertold Hummel, selbst im Schwarzwald geboren und aufgewachsen, erhielt im Jahr 1957 vom Südwestfunk Baden-Baden den Auftrag sich auf die Suche zu machen und er arrangierte 14 Tänze aus dem Schwarzwald für die überlieferte Originalbesetzung mit 2 Klarinetten, Trompete, Violinen und Streichbass. Manchmal war nur eine zufällig gefundene Klarinettenstimme (aus Siegelau 1883) das Ausgangsmaterial dieser Tänze, unter denen die sogenannten Heuberger oder Hippentänze mit ihren wechselnden Zweier-, Dreier- und Vierertakten von Besonderheit sind.
Vorliegende Edition wird für Freunde ursprünglicher Volks- und Tanzmusik eine echte Bereicherung darstellen. Die bisher unveröffentlichten Noten zeugen vom köstlichen Humor der Schwarzwaldbewohner und begeistern durch ihre Frische und Fröhlichkeit. Mit den Landschaftsbildern von Sepp Wurster, dem sich mein Vater in lebenslanger Freundschaft verbunden fühlte und der die Schönheiten dieser Gegend auf zahllosen Wanderungen zeichnend immer wieder einfangen konnte, bekommt dieser Band sein unverwechselbares Schwarzwälder Gesicht.

August 2004
Martin Hummel

 

Presse

Badische Zeitung November 1957

Eine heitere Überraschung brachte die Schwarzwälder Bauernmusik, die bei diesem Trachtentreffen in Freiburg zum Tanz aufspielte. Der junge Freiburger Musikstudent Hummel, ein Sohn des in Merzhausen lebenden, aus Hüfingen stammenden Lehrers und Dirigenten Hummel, hatte diese Musik nach alten Tanz- und Volksweisen in die originale Instrumentierung mit zwei Geigen, einer Baßgeige, einer Trompete und zwei Klarinetten zurückgesetzt. Mit wilder Begeisterung drehten sich dazu wieder die alten und jungen Bauern mit den schweren rotgefütterten Bratenröcken und die Trachtenmaidli mit den weiten Faltenröcken. Sie fühlten wohl alle, daß hier trotz zeitweiliger Anlehnung an moderne Satzweisen wieder etwas Schönes und Echtes erstanden ist.

 

Ensemble - Zeitschrift für Kammermusik Nr. 3/2005

Es gibt sie hierzulande kaum noch - die echte Volksmusik. Die Musik, die nicht jeden Samstagabend von skrupellosen Fernsehredakteuren, dauergrinsenden Hohepriestern des schlechten Geschmacks und einer willfährigen Publikumshorde in wüsten Mitklatschorgien zerstampft wird. Wer vom Musikantenstadl redet und vom Frühlings-, Sommer-, Herbst-, Advent- und Weihnachtsfest der Volksmusik, der meint den längst stattgefundenen Verfall unserer Musikkultur. Wo vor zwei Generationen die Nationalsozialisten mit Schindluder trieben, dienen die Protagonisten der volkstümlichen Musik längst ihrem neuen Popanz - dem schnellen Geld, das sie den Angehörigen der kulturellen Unterschicht aus den Taschen ziehen. Nein - reden wir von der echten Volksmusik. Von der Musik, wie sie (so hört man es raunen) in einigen vergessenen Winkeln unseres Landes noch heute gespielt wird und die das Fundament unserer musikalischen Kultur bildet. Reden wir von einer Musik, die nicht blöd und einfältig ist wie jenes Störgeräusch, das wir unter dem Namen "volkstümlicher Schlager" zu verachten gelernt haben. Wir haben balinesische Ritualtänze und irische Balladen ebenso in unsere Kultur integriert wie Bartóks "Rumänische Volksweisen" und den Gesang provenzalischer Mönche - warum also nicht auch unsere eigene Musik? Reden wir also von kleinen ländlichen Tänzen, die possierliche Namen tragen wie "Heuberger" oder "Triberger Hippentanz" und uns mit ihrem reizvollen Wechsel von Zweier- und Dreiertakt erfreuen. Lernen wir auf den subtilen Reichtum der "Jörgli-Polka" oder des "Schonacher Oberab" zu hören und erinnern wir uns daran, dass auch außerhalb des Schwarzwalds eine blühende Volksmusiklandschaft gelegen hat, deren Schätze wieder zu heben sind. Bertold Hummel hat dies vor beinahe 50 Jahren getan - im Auftrag des Südwestfunks rekonstruierte er originale Besetzungen aus verschlissenen Stimmbüchern und alten Aufnahmen. Die vorliegende Sammlung bietet alles, was der Musiker benötigt - Neugier genügt!

Manuel Rösler

 

Bayerische Bläsermusik, Nr. 9/2005

Wer hätte das gedacht: Bertold Hummel, hochdekorierter zeitgenössischer Komponist und langjähriger Leiter des Studios für Neue Musik, als Arrangeur von überlieferter Tanzmusik aus dem 19. Jahrhundert! Dem Südwestfunk Baden-Baden ist es zu verdanken, dass er sich als junger Komponist in den 1950er-Jahren in seiner Heimat im Schwarzwald auf die Suche nach bodenständigen Tanzmelodien machte und die vorliegende Suite mit 14 Tänzen arrangierte. Die Melodien lagen ihm nur als Klarinettenstimme einstimmig vor, er richtete sie für eine überlieferte Originalbesetzung mit zwei Klarinetten, Trompete, zwei Violinen und Streichbass ein. In den Bearbeitungen wechseln sich die Bläser mit den Violinen in der Melodieführung ab.
Hummel entschied sich dabei insgesamt für ein eher kammermusikalisches Konzept. Oft fehlt der für die Funktion Tanzmusik so unentbehrliche Nachschlag. Im Original waren hierfür sicherlich fast durchgängig die Geigen zuständig. Entstanden sind abwechslungsreiche, überaus interessant ausarrangierte Vortragsstücke mit unterschiedlichsten Tanzmelodien. ... Freunden überlieferter Volksmusik wird diese bisher unveröffentlichte Notenausgabe viel Freude bereiten und als raffiniert eingerichtete Vortragsmusik mit kammermusikalischer Konzeption sicherlich gut ankommen.

Uwe Rachuth

 

Schweizer Musikzeitung; Dezember 2005

In dieser Form dürften Glaser-Schottisch und Bernauer Polka oder Heuberger- und Hippentänze sowohl Amateure und fortgeschrittene Schüler als auch Spezialisten interessieren und sich darüber hinaus für Mehrfachbesetzung der Einzelstimmen bzw. Neuinstrumentierungen anbieten.

 

NMZ 2006/09 / Seite 40/55. Jahrgang /September

Bertold Hummel, selbst im Schwarzwald geboren, arrangierte diese vierzehn Tänze nach alten Überlieferungen, also echte Volksmusik aus dem Schwarzwald.
Der köstliche Humor der Schwarzwälder, Musikantentum und Freude an der Musik sind die Merkmale dieser Edition. Sepp Wurster hat Landschaftsbilder dazu beigesteuert. Hierdurch bekommt diese Ausgabe noch ein besonderes Schwarzwälder Gesicht. Für Laienmusikgruppen, im Musikschulbereich et cetera sehr gut spielbar. Alle werden Freude haben beim Musizieren dieser Stücke.

Frank Klüger

 

Literaturempfehlungen für den Unterricht an Musikschulen – Ausgabe Mai 2006 – gesichtet von den Fachberater(inne)n für den VdM

Als Pendant zur alpenländischen „Stubenmusi“ (mit der etwaiger Besetzung Violinen, Hackbrett, Akkordeon, Klarinetten und Kontrabass) begegnen wir in den Tänzen aus dem Schwarzwald ebenfalls echter Volksmusik in der Besetzung 2 Klarinetten, Trompete und Streichtrio. Die Tanzweisen, von keinem geringeren als Bertold Hummel (1925 –2002) im Auftrag des SWR gesammelt und gesetzt, verströmen reine Fröhlichkeit und Humor. Die Musik der Alpenregion entbehrt selbstredend diese Attribute nicht, vermittelt jedoch durch häufig tritonische Wendungen eine gewisse Abgründigkeit, die auch in die Kunstmusik z.B. bei Schubert, Mahler und Alban Berg (Violinkonzert 1935 – darin die„Kärntner Weise“) hineinwirkt. Neben der Partitur erscheinen reich mit Landschaftsmotiven des Schwarzwalds illustrierte Instrumentalstimmen. Es darf nicht verschwiegen werden, dass die Blasintrumente überwiegend „die erste Geige“ spielen. Ein gelungener Beitrag zur Volksmusik im engeren Sinn des Wortes, also nicht zur „volkstümlichen“ Musik.

Werner Merkle