| BERTOLD HUMMEL - Texte zu den Werken: opus 74 Zurück zur Verzeichnisliste |
| "in memoriam ..." für Orgel und Schlagzeug op. 74 (1980)
I. Invocation II.
Toccata III. Requiem
Widmung: Dem Andenken des Freundes Dietrich von Bausznern gewidmet Schlagzeug-Instrumentarium: Vibrafon, 2 Bongo, 2 Conga, Kleine Trommel, Claves, Templeblock, Holzblocktrommel, Tamtam, Gong, 4 Becken, Nietenbecken. Aufführungsdauer: 14 Minuten Verlag: Schott Music ED 7182 / ISMN: 979-0-001-07529-9
Literaturliste
des Deutschen Musikrates für den Wettbewerb "Jugend musiziert":
Op.74
entstand im Jahre 1980 und ist dem Andenken des Komponisten
und Freundes Dietrich von Bausznern gewidmet, der im Januar desselben Jahres einer
heimtückischen Krankheit erlag. Bertold Hummel Text des Chorals: Wenn
wir in höchsten Nöten sein Text:
Paul Eber (1511-1569)
Presse Nord-West-Zeitung, Oldenburg 12.6.1987 ... eine stark beeindruckende Komposition, die einen großen Schlagwerkapparat gleichberechtigt der Orgel zugesellt. Klangwirkungen von bestürzender Eindringlichkeit schufen ein Abbild tiefer Trauer und seelischer Verzweiflung. Hummel gelang mit diesem Werk eine Fülle magisch faszinierender Klangvisionen in den Sätzen Invocation, Toccata und Requiem. Der Choral "Wenn wir in höchsten Nöten sein" erklang als Abschluß einsam als cantus firmus, von verquer fahlem Bass "verlassen" begleitet, Vibraphontupfer lichteten auf. Claus Hecker an der Orgel und Axel Fries am Schlagzeug gelang eine Wiedergabe, die zu erschüttern vermochte. Die kühne Komposition erklang überzeugend.
Rhein-Neckar-Zeitung 3.3.1994 Das irreal Schwebende der Sept- und Tritonusklänge auf dem Vibrafon, die langen Triller und flirrenden Läufe der Orgel, alles ist von ausgesuchter, meditativer Farbigkeit. Diese wird dynamisch belebt, explodiert fast in einer motorisch bewegten Toccata, in pulsierenden Rhythmen auf Becken, Woodblocks und Tom-Toms, wird schließlich befriedet in einem Choral, der still ins Vage, Offene gleitet.
Stuttgarter Zeitung, 10.6.2009 Anders
Bertold Hummel: Er führt mit seinem "In memoriam" (op. 74) das
Publikum gerne in die Irre. Immer wieder durchkreuzen Kaskaden harter Wood-Block-
und Tom-Tom-Klänge das himmlische Irisieren des Vibraphons; manchmal verschmilzt
es mit der Orgel auf wundersame Weise zu einem einzigen, homogenen Klangkörper
und scheint gedankenverloren zu träumen, bis - vollkommen unerwartet - wieder
eine freche, kratzig-laute Schlagwerkattacke alle aus dem Dämmerzustand aufschreckt.
Wahrlich kein alltägliches Konzert - aber sicherlich eines, auf dessen Wiederholung
viele warten werden.
Schwäbische Post 23.4.1986 ... ein Werk, das unter die Haut geht, auch — oder gerade — wenn man nicht weiß, dass Hummel als Tonmaterial die musikalisch verwertbaren Buchstaben des Namens von Bausznern verwendet und im dritten Satz — Requiem — einen Choral zitiert. In einer sich stetig steigernden "Invocation", einer tollen "Toccata" (man konnte kaum fassen, dass nur ein Schlagzeuger diese schnellen Wechsel der vielfältigsten Klangfarben produzieren konnte) und einem meditativen "Requiem" leisteten beide Interpreten auch das äußerste an Präzision im Zusammenspiel.
Siegener Zeitung 14.5.2009 Hummels „In memoriam –“, dem Andenken seines Freundes Dietrich von Bauznern, ebenfalls Kompositions-Professor, gewidmet, stellte höchste Anforderungen an Organist und Percussionistin. Ist der erste Satz, „Invocation“, von einer vorwärtsdrängenden Gestik geprägt, so werden in der folgenden Toccata alle Kräfte geradezu entfesselt. Schnelle dynamische und rhythmische Wechsel, unterschiedliche Trillerfiguren, auf der Orgel virtuose Läufe und permanente Manualwechsel, im Schlagwerk immer wiederkehrender Austausch der verschiedenen Schlegel zum Bedienen der gesamten Percussion-Palette, erzeugten eine fesselnde Dramatik, der man nur atemlos folgen konnte. Im anschließenden Requiem-Teil wird dann als Synthese das gesamte kompositorische Material zusammengeführt. Nach einem akustischen Höhepunkt endet das Werk höchst beeindruckend im Pianissimo mit dem sanften Einbringen des Chorals „Wenn wir in höchsten Nöten sein“.
Main-Post 9.6.1986 Einen nicht minder tiefen Eindruck hinterließ Bertold Hummels op. 74 "in memoriam", dessen vier Abschnitte auf Orgel und Marimba eine Fülle hochsensibler musikalischer Gedanken offenlegten, wobei Passagen von geradezu mystischer Versenkung gegenüber emotionalen Aufschwüngen für eindringliche Kontraste sorgten.
Westfälische Rundschau, 12.5.2009 Man merkt es dem Werk nicht an, dass es voller intellektueller Kunstrukte ist: sind doch die Buchstaben des Namens eines verstorbenen Freundes in vielfältiger Weise darin verarbeitet. Eher fühlt man sich von dieser Musik elementar ergriffen.
Darmstädter Echo 24.3.1987 Drei ökonomische Sätze ohne Leerlauf, deren bisweilen dramatische Entwicklung die Solisten zu mitreißender Energie-Entladung animierte. In üppig wuchernden Klanggesten wie filigraner Detailarbeit sind Orgel- und Schlagzeugpart eng miteinander verzahnt.
merkur-online.de, 7.10.2009 Die Besucher ließen sich auf die Musik ein und waren am Ende tief beeindruckt. Bereits der fulminante Auftakt mit Toccata, Requiem und Schlusschoral „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ aus „In Memoriam op. 74“ von Bertold Hummel (1925-2002) in der ungewöhnlichen Besetzung Orgel (Josef Reichl) und Schlagzeug (Jan van Meerendonk) geriet zu einem ersten Höhepunkt.
Schwarzwälder Bote 28.7.2010 Einen besonderen Abschluss wagte das Duo mit "In memoriam" Dietrich von Bausznern. Verschlüsselt in diesem furiosem und an Dramatik kaum zu überbietendem Opus von Bertold Hummel, fand sich darin eine kuriose Tonfolge wieder. Diese geht zurück auf den Namen des verstorbenen Kollegen Bausznern, dem der Komponist das Stück gewidmet hat. Sie besteht aus den Buchstaben des Namens, die als Notennamen übernommen wurden, wie Volz erklärte. Nach diesem Vitalitätsfeuer wurde mit langem Beifall eine Zugabe verlangt.
Literatur-Tipp: Dietrich
von Bausznern (1928-1980) Aufführungsdauer 20 Minuten Verlag
Merseburger |