Paul-Werner Scheele (6. April 1928 Olpe)


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Musestunden am Klavier
Bischof Paul Werner - ein Freund und Kenner der Musik

Als im Jahre 1979 Professor Dr. Paul-Werner Scheele zum Bischof von Würzburg ernannt wurde, war dies für das musikalische Würzburg eine gute Kunde, ging doch das Gerücht um, dass sich der neue Oberhirte in seiner Jünglingszeit mit dem Gedanken getragen hatte, Musik zu studieren.
So war man auf die erste Begegnung gespannt, bei der sich sehr bald herausstellte, dass man es bei seinem Gesprächspartner mit einem profunden Kenner der Musik und ihrer Geschichte zu tun hatte. Von der Gregorianik über Palestrina, Bach und Händel, die Wiener Klassik, die Romantik bis hin zur Musik unserer Zeit reichte der Gesprächsbogen. In meinem Falle konnte ich viele Neigungsparalellen feststellen, die insbesondere die Werke von Palestrina, Bach, Anton Bruckner und Olivier Messiaen betrafen. Inzwischen hat ich Bischof Paul-Werner wiederholt in Wort und Schrift zu musikalischen Fragen (Kirchenmusik) und zum Lebenswerk von Komponisten (Anton Bruckner) kompetent geäußert, was ihm in Fachkreisen hohe Achtung einbrachte. Seine privaten pianistischen Aktivitäten und Neigungen gelten vor allem den Klassikern Bach, Haydn, Mozart und Beethoven, in deren Werke er sich in den wenigen Mußestunden, die ihm sein Terminkalender lässt, mit Hingabe vertieft. Auch die Kammermusik ist eines seiner Steckenpferde. So hat er unter anderem mit dem evangelischen Dekan Martin Elze, der die Violine spielt, in ökumenischer Gesinnung mögliche theologische Dissonanzen durch das Spiel von Mozartsonaten zu harmonisieren versucht. Als aufmerksamer Hörer verfolgt Bischof Paul-Werner zumeist per Tonträger aber auch - wenn zeitlich möglich - im Konzertsaal die Entwicklungen der Gegenwartsmusik. Hier sind es insbesondere die Werke Olivier Messiaen's, deren gedankliche und theologische Tiefe ihn sehr berühren und überzeugen.
Bei der Textgestaltung zu meinem Oratorium Der Schrein der Märtyrer konnte ich Bischof Paul-Werner als einfühlsamen Übersetzer altirischer Texte sowie als kundigen Mitgestalter einer großformalen Gattung erleben. In einer originellen Anlehnung an Kanontafeln alt irischer Handschriften entstand eine überzeugende Gliederung, bei den fünf Solisten, ein gemischter Chor, ein Knabenchor, ein Sprecher sowie ein großes Orchester, ein Schlagzeugensemble und drei Orgeln - an verschiedenen Orten postiert, die Akustik des Würzburger Domes ausnützend - zum Einsatz kommen. Die Zusammenarbeit verlangte naturgemäß etliche "Sitzungen", die in der Regel durch ein kammermusikalisches "Präludium" mit dem bischöflichen Klavierspieler eröffnet wurden. Dann folgten das Vorspiel die fertig gestellten Teile durch der Komponisten und deren Begutachtung sowie Fragen der Textgestaltung. Um Äußerungen, Kürzungen etc. wurde lebhaft gerungen. Beim "Ausklang" durfte ein guter Frankenwein nicht fehlen, und auch der bischöfliche Sinn für feinen Humor kam trotz der Ernsthaftigkeit des oratorischen Themas immer wieder zu seinem Recht. So entstand ein Gemeinschaftswerk das unter großer Publikumsbeteiligung im Jubiläumsjahr 1989 erstmals vorgestellt wurde und über regionale Beachtung fand.

Bertold Hummel (in "Friede und Freude - Zum 25. Jahrestag der Bischofsweihe von Paul-Werner Scheele" Sonderdruck des Würzburger Katholischen Sonntagsblattes)


Scheele_Hummel_1989

Paul Werner Scheele und Bertold Hummel, Würzburg 1989

 
Werke von Bertold Hummel, die mit Paul Werner Scheele in Verbindung stehen:

Der Schrein der Märtyrer op. 90

Friedensbotschaft der Apokalypse op. 94

Christus heri op. 103h

Eine kleine Reverenz op. 95f,2

Albumblatt

 

Biografie
Paul Werner Scheele wurde 1928 als Sohn eines kaufmännischen Angestellten und einer Hausfrau im Sauerland geboren. Er hatte fünf Geschwister, von denen zwei noch im Kindesalter starben. Scheele besuchte die Volksschule in Olpe sowie die Oberschulen in Olpe und Attendorn. Im zweiten Weltkrieg wurde er zum Kriegsdienst in der Luftwaffe eingezogen. Nach Ende des Krieges legte Scheele am 8. Oktober 1946 in Attendorn das Abitur ab.
Von 1947 bis 1951 studierte Scheele Philosophie und Theologie an den Universitäten Paderborn und München. Am 29. März 1952 wurde er vom damaligen Erzbischof von Paderborn, Lorenz Jaeger, zum Priester geweiht. Nach seiner Weihe war Scheele zehn Jahre lang bis 1962 Pfarrer und Religionslehrer in Paderborn.
Nach weiteren Studien von 1962 bis 1964 wurde Paul-Werner Scheele am 4. Februar 1964 in Würzburg zum Dr. theol. mit der Dissertation „Johann Adam Möhlers Lehre von der Einheit der Kirche und ihre Bedeutung für die Glaubensbegründung“ promoviert. Zum 3. März 1966 folgte Scheele einem Ruf auf den Lehrstuhl für Fundamentaltheologie an der Ruhr-Universität Bochum. 1970 folgte seine Berufung auf den Lehrstuhl für Dogmatik an der Universität Würzburg. Von 1971 bis 1979 war Scheele Dompropst in Paderborn und hatte gleichzeitig eine Professur für Dogmatik an der Theologischen Fakultät Paderborn inne.
Am 31. Januar 1975 wurde er zum Titularbischof von Druas und Weihbischof in Paderborn ernannt. Die Bischofsweihe empfing er am 9. März 1975 durch den Erzbischof von Paderborn Johannes Joachim Degenhardt. Die Paderborner Weihbischöfe Paul Heinrich Nordhues und Friedrich Maria Rintelen waren die Mitkonsekratoren.
Papst Johannes Paul II. ernannte Paul-Werner Scheele am 31. August 1979 zum Bischof von Würzburg. Die Amtseinführung erfolgte am 21. Oktober 1979 durch den Erzbischof von Bamberg, Elmar Maria Kredel. Unter seiner Ägide wurde der Dom St. Kilian aufwändig renoviert.
Am 1. April 2002 feierte er sein goldenes Priesterjubiläum.
Am 14. Juli 2003 nahm Johannes Paul II. den altersbedingten Amtsverzicht von Bischof Paul-Werner Scheele an.
Scheele war bis zu seinem Ruhestand Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz und Mitglied der Kommission für Glaube und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen. Auch nach seinem Ruhestand ist er weiter Mitglied des Vatikanischen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Scheele engagiert sich in der Bartholomäus-Gesellschaft und als Kuratoriumsmitglied von Shalom Europa (Jüdischen Gemeinde in Würzburg und Unterfranken).


Literatur-Tipp:

Paul Werner Scheele:
Lob der Musik und der Musiker
Beiträge zu einer Theologie der Musik
darin: In memoriam Bertold Hummel
Echter Verlag, Würzburg 2005